„Kurzfilm ist der Espresso unter den Filmen.
Die gleiche Dosis, nur weniger Wasser.“

Der Filmautor und Cutter Gerhard Schumm bringt das Vermögen des Kurzfilms auf den Punkt: „Die extreme Kleinform erzwingt sozusagen einen Mini-Spielfilm im Espressokaffee-Modus.“ Wie der Espresso die Quintessenz des Kaffees ist, so ist der Kurzfilm die Quintessenz allen filmischen Schaffens. Inhaltlich auf das Wesentliche konzentriert, liegt seine besondere Kraft in der Intensität, mit der sich dem Publikum in einer hohen Dichte komplexe Welten erschließen. Oder in der Sprache des Kaffees: Beim Genuss des Kurzfilm-Espressos entfaltet sich schon beim ersten Schluck eine überraschende Vielfalt an Aromen, die noch lange nachwirken, wenn die Tasse leer ist – berührend, bewegend, belebend.

Internationales Kurzfilmschaffen im Fokus.

Im regulären Kinobetrieb viel zu wenig präsent, nimmt Kurzfilm – in seinen vielfältigen Formen, Filmgattungen und Genres dem Langfilm ebenbürtig – bei espressofilm den Raum auf der Kinoleinwand ein, der ihm gebührt. Im Rahmen von „espressofilm – Kurzfilm einen Sommer lang“ wird über einen Zeitraum von zwei Monaten in Wien die Vielfalt des Kurzfilms gefeiert und diskutiert. Internationale Filmfestivals, Filmschulen und Filmemacher/innen, die sich der Kultivierung von narrativen und dokumentarischen Filmstrukturen in ihrer Kurzform verschrieben haben, stellen sich auf Einladung von espressofilm mit spannenden Gastprogrammen dem Publikum vor.

Kurzfilmkino aus einem weiblichen Blickwinkel.

Gemeinsam mit einem jungen, professionellen Team arbeiten die beiden Initiatorinnen und Kuratorinnen von espressofilm, Doris Bauer und Lisa Neumann, die beide seit Jahren im Bereich Filmvermittlung und Filmproduktion tätig sind, mit Leidenschaft daran, den Filmemacher/innen und Besucher/innen unvergessliche und inspirierende Filmabende zu bereiten. Dass nicht nur im Programm weibliche Filmemacherinnen höchst präsent sind, sondern Frauen auch im Team eine maßgebliche Rolle spielen, ist eine der tragenden Säulen von espressofilm. Im Kino- und Festivalbetrieb sind Frauen wie in der Filmproduktion entschieden unterrepräsentiert. Mit „espressofilm – Kurzfilm einen Sommer lang“ haben Doris Bauer und Lisa Neumann darum kurzerhand ein Kinoprojekt ins Leben gerufen, bei dem aus einem weiblichen Blickwinkel Kino gemacht wird.

Ein neues Kino für die Josefstadt.

Im Juni 2008 wurde espressofilm als spontane Initiative für den Kurzfilm gegründet, um mit wöchentlichen Veranstaltungen im Weltcafé die Monate Juni bis September zu überbrücken, in denen in Wien kaum Kurzfilmvorführungen stattfinden. In der dritten Saison von „espressofilm – Kurzfilm einen Sommer lang“ ist im Sommer 2010 gemeinsam mit neuen Partner/innen und Fördergeber/innen der Sprung von der sommerlichen Kurzfilmreihe zum Open-Air-Sommerkino im Gartenpalais Schönborn im Herzen der Josefstadt geglückt. 20 Jahren nach der Schließung des Albert Kinos – nach Palast Kino und Arkaden Kino das letzte Lichtspieltheater im 8. Bezirk – hat die Josefstadt nun, zumindest temporär, endlich wieder ein Kino bekommen – und espressofilm eine neue Heimat gefunden.