2011druckenfilmemacherin: biljana garvanlieva


Spieltag: Donnerstag, 21. Juli 2011
Filmbeginn: 21.30 Uhr

„Alles was aus dem Herz kommt, geht direkt ins Herz“, sagt Emilija, die als eine der wenigen Akkordeonspielerinnen Makedoniens dafür kämpft, an einem internationalen Wettbewerb teilnehmen zu dürfen. Viele künstlerisch talentierte Frauen wie sie haben in dem Land nach der Wende keine andere Wahl, als Näherin zu werden und die Textilproduktion der globalisierten Welt anzukurbeln. Sie sind es, denen Biljana Garvanlieva, gebürtige Makedonierin und in Berlin lebende Autorin und Filmemacherin, in ihren Dokumentarfilmen eine Stimme gibt. Gemeinsam mit der Gebrüder Beetz Filmproduktion sind bereits drei Filme über das Leben von Mädchen und Frauen in ihrer Heimat entstanden, einer davon, „Tabakmädchen“, wurde im vergangenen Jahr bei espressofilm präsentiert. Ursprünglich für ZDF/3sat produziert, waren darüber hinaus bislang allen von Biljana Garvanlievas Filmen eine erfolgreiche Festivalkarriere und zahlreiche wichtige Preise beschieden. Ihr jüngster Film „Die Näherinnen“ wurde – und so schließt sich der Kreis zu ihrem Debütfilm „Die Akkordeonspielerin“ – auf dem 16. Sarajevo Film Festival mit dem „Heart of Sarajevo“-Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Im Rahmen dieser Personale sind die beiden Filme zum ersten Mal in Wien zu sehen. | Programmdauer: 58 min

Durch den Abend führt Daniela Ingruber. Filmgespräch mit Biljana Garvanlieva.

     
  die akkordeonspielerin
Biljana Garvanlieva, D/MK 2006, 28 min, OmdU

Als Kind bekommt Emilija ein Akkordeon geschenkt, mit 14 gewinnt sie den nationalen Akkordeonwettbewerb Makedoniens. Emilija, die aus einer armen, aber ungeheuer musikalischen und lebenslustigen Familie kommt, muss als eine der wenigen Akkordeonspielerinnen lernen, sich in dieser Männerwelt durchzusetzen. Sie möchte an einem internationalen Wettbewerb teilnehmen, doch die Teilnahmevoraussetzung ist ein professionelles und für sie unbezahlbares Akkordeon.

In dem für die 3sat-Reihe „Mädchengeschichten“ realisierten Dokumentarfilm porträtiert Biljana Garvanlieva auf liebevolle Weise ihre 17-jährige Cousine, die mit ungeheurer Disziplin, Hartnäckigkeit und Leidenschaft gegen alle Widerstände ihren Traum verfolgt, Berufsmusikerin zu werden.

Mitwirkende: Emilija Obradova | Drehbuch: Biljana Garvanlieva | Kamera: Susanne Schüle | Schnitt: André Nier | Ton: Manuel Zimmer | Sound Design: Michael Kube | Produktionsleitung: Eva Rink | Produktion: Gebrüder Beetz Filmproduktion

     
  die näherinnen
Biljana Garvanlieva, D/MK 2010, 30 min, OmeU

Eriela, Vesna und Beti sind Näherinnen in der Kleinstadt Stip in Makedonien. Sie arbeiten hart, um ihre Familien ernähren zu können und träumen von einer besseren Zukunft. 120 Hemden muss eine jede von ihnen am Tag fertigstellen. Wollte sie selbst eines ihrer Hemden kaufen, so müsste sie dafür einen Monat lang arbeiten. Diese Arbeitsbedingungen wären im Westen undenkbar. Doch die Textilindustrie blüht, die Löhne sind niedrig und die Betriebe können H&M, deutsche Polizei und NATO schneller beliefern als die chinesische Konkurrenz.

Während unter den Frauen Vollbeschäftigung herrscht, hatten die Männer nach der Wende weniger Glück und sind fast alle arbeitslos. Eine Situation, die viel Konfliktpotenzial birgt, nicht zuletzt weil sie die Frauen in die Rolle der Alleinerhalterinnen drängt und ihnen verwehrt, eigene Ziele anzustreben. „Die Näherinnen“ ist ein sehr persönliches Portrait der Frauen von Stip und erzählt zugleich den Zustand einer Gesellschaft, die durch die Transformation und die Folgen der Globalisierung tief verwundet ist.

Drehbuch: Biljana Garvanlieva | Kamera: Dimo Popov, Manuel Zimmer | Schnitt: André Nier | Ton: Manuel Zimmer, Darko Boskovski, Bratislav Zafirovski | Musik: Robert Rabenalt | Produktionsleitung: Kathrin Isberner, Ognen Antov | Produktion: Gebrüder Beetz Filmproduktion