2011druckenfilmschule: dffb – deutsche film- und fernsehakademie berlin


Spieltag: Freitag, 5. August 2011
Filmbeginn: 20.30 Uhr

Unter großem öffentlichen Interesse begann im September 1966 mit der feierlichen Eröffnung der dffb als der ersten westdeutschen Filmschule die akademische Filmausbildung in der BRD. In 45 Jahren haben über 1000 Filmemacher/innen ihr Studium abgeschlossen, darunter relevante Namen wie Hartmut Bitomsky und Harun Farocki, beide maßgebend für den Essayfilm, sowie die Begründer/innen der Berliner Schule, die sich während des Studiums an der dffb kennenlernten und mit ihren Erstlingswerken Mitte der 90er Jahre vor allem die deutsche Filmkritik begeisterten. Das Gastprogramm der dffb stellt frühe Arbeiten von Christian Petzold und Angela Schanelec, die zur ersten Generation dieser losen Gruppe von Filmemacher/innen zu zählen sind, aktuellen Arbeiten von Studierenden gegenüber. Bezeichnend ist, dass es sich hierbei keineswegs um die berüchtigten „Visitenkartenfilme“ handelt, wie sie an vielen Filmhochschulen entstehen: Mit feinem Gespür für das Poetische im Alltag gelingt es diesen wunderbar eigenwilligen Filmen, die Leinwand für die Kürze ihrer Dauer magisch aufzuladen. | Programmdauer: 83 min

     
  spatzen
Jan Speckenbach, D 2009, 12 min, OF

Ein Mann trifft in einer Bar auf eine Frau, mit der er absichtslos durch die Nacht zieht. Als es hell wird, trennen sie sich wieder. Eine Plansequenz.

„Jan Speckenbachs ,Spatzen‘ geht buchstäblich verschlungene Wege, und Schuld daran ist ein kleiner Vogel am Fensterbrett, der den Schnabel nicht halten kann. Hinter jeder Ecke lauert in dieser Nacht eine neue Überraschung, während die Steadycam die Ziellosigkeit des Paares spüren lässt. Dazwischen kunstvolle Gesangs- und Tanzeinlagen auf natürlichste Weise. ,Wir leben in komischen Zeiten. Wenigstens ich. Auch wenn meine Uhr davon nichts wissen will. Sie vertreibt sich die Zeit mit der Wiederholung des Immergleichen.‘“ (Viennale)

Schauspiel: Filipina Henoch, Johannes Kühn, Camilla Kallfaß | Drehbuch: Jan Speckenbach | Kamera: Armin Dierolf Sound Design: Paulina Bochenska | Musik: Daniel Freundlieb | Produktion: Sol Bondy | Hochschule: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin

     
  kokon
Till Kleinert, D 2009, 7 min, kein Dialog

Ein Oberstufenschüler lässt sich die Haare schneiden. Durch seine äußerliche Wandlung nimmt er sich selbst ganz anders wahr – und seine Umwelt ihn. Einem Initiationsgefühl auf der Spur, das ihm aus seiner eigenen Jugend vertraut geblieben ist, blickt Regisseur Till Kleinert auf die Innenwelt eines Schülers, um dessen „Kokon“ schließlich aufzubrechen. Der Film erzählt die Gefühlswelt des jungen Mannes allein mit filmischen Mitteln und ohne Dialoge – und wurde dafür mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

Schauspiel: Julius Kunze, Charlotte Winnendt | Drehbuch und Schnitt: Till Kleinert | Kamera: Tom Akineminu | Ton: Matthias Kaatsch | Musik: Conrad Oleak | Produktion: Hartmut Bitomsky | Hochschule: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin

     
  schöne gelbe farbe
Angela Schanelec, D 1991, 4 min, OF

„Am einfachsten war es, wenn ich ich die Wohnung verließ. Jeden Morgen band ich mir einen gelben Schal um den Hals. Der Schal war irgendwann in meiner Garderobe liegen geblieben, und als es zu schneien begann, nahm ich ihn mit, obwohl das Gelb komisch an mir aussah. Ich trug es wie eine Verkleidung durch die Wohnung. Es war ein schönes Gelb, wenn es nicht ein Schal, sondern eine Blume gewesen wäre.“ (aus dem Off-Kommentar)

Drehbuch und Kamera: Angela Schanelec | Hochschule: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin

     
  honeymoon
Marc Schlichter und Bernd Löhr, D 1990, 4 min, kein Dialog

Sophie Rois in einem ihrer ersten Leinwandauftritte vor dem Durchbruch mit „Wir können auch anders“: „Ein junges Paar auf Hochzeitsreise landet buchstäblich mitten auf der Straße: Am Beginn dröhnen die Rotorblätter eines Helikopters über der Skyline von New York, bis man sich abrupt mitten in der Stadt befindet. Es treten auf: Sophie Rois und Stefan Wieland als frisch vermähltes Paar, mit zwei Koffern in der Verkehrshölle. Ein Streit, ein Keks, eine Ohrfeige, ein Kuss.“ (Viennale)

Schauspiel: Sophie Rois, Stefan Wieland | Hochschule: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin

     
  jessi
Mariejosephin Schneider, D 2009, 33 min, OF

Jessi ist elf und lebt in einer Pflegefamilie, ihre Mutter ist in Haft. Sie ist schon alt genug, sich ihrer Lage bewusst zu sein, alt genug, sich selbst zu schützen, obwohl sie noch viel zu jung dazu ist. Ihre Suche nach Identität und Geborgenheit führt sie zurück in das Dorf ihrer Kindheit. Doch erst als Jessi ihr Inneres nach außen kehrt begreift sie, dass sie an ihr Leben hier nicht mehr anknüpfen kann.

„Die 11-jährige Luzie Ahrens trägt den Film. Sie spielt sparsam aber eindringlich, mit Blicken und Gesten, mit ihrer Mimik. Menschen, die auf der Suche sind, reden nicht viel. ,Jessi‘ ist eine kleine Geschichte, die viele der großen Geschichten in den Schatten stellt, die auf dieser Berlinale mehr ausgewalzt als erzählt werden.“ (Steffen Wagner, festivalblog.com)

Mariejosephin Schneider feierte mit ihrem ersten mittellangen Spielfilm in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ auf der Berlinale 2010 Premiere und wurde für ihre Arbeit u.a. mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

Schauspiel: Luzie Ahrens, Margot Binder, Pit Bukowski, Dietrich Delekat, Robert Ernst Junge, Eva Günther, Michaela Hinnenthal, Maja Leonhard, Jasmin Rischar, Sophie Rogall, Anja Stöhr | Drehbuch: Mariejosephin Schneider | Kamera: Jenny Lou Ziegel | Schnitt: Inge Schneider | Ton: Benjamin Dunker | Musik: Marian Mentrup | Produktion: Nicolai Zeitler | Hochschule: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin

     
  süden
Christian Petzold, D 1990, 9:30 min, kein Dialog

„Ein einsames Auto. Der Wind pfeift. Die Tür von etwas geht auf. Ist es ein Ferienbungalow? Ein Schuppen? Eine Ruine? Übersteuertes Karaoke weht heran. Eine Frau steht am Fenster. Leute sitzen in einer Halle. Weil diese Montage von auf 16mm aufgeblasenem Super-8-Filmmaterial den Namen ,Süden‘ trägt, lässt sich die Hitze eines trägen Urlaubstages assoziieren. Und die auf dem Boden befestigten Bücher, deren Seiten stürmisch flattern, lassen sich für Urlaubslektüre halten. Zwischen Found-Footage-Freiheit und avantgardistischer Inszenierung löst sich die Bedeutung in der Stimmung auf. Schließlich ist der Süden ein Sehnsuchtsort.“ (Alexandra Seitz)

     
 
was bleibt
David Nawrath, D 2009, 13 min, OmeU

„Kinder fangen damit an, ihre Eltern zu lieben. Später urteilen sie über sie. Und selten – wenn überhaupt jemals – vergeben sie ihnen.“ (Oscar Wilde)

Mathis ist jetzt 19 Jahre alt. An dem Tag, an dem seine Großmutter beerdigt wird, müssen er und sein Vater nach langer Zeit wieder einen ganzen Tag miteinander verbringen. Im Verlauf dessen lernen sie sich neu kennen. Es scheint, als gelangten Vater und Sohn für einen kurzen Moment zusammen.

Schauspiel: Andrej Kaminsky, Maximilian Köster, Marc Dresander, Markus von Lingen, Alexander Flache | Drehbuch und Schnitt: David Nawrath | Kamera: Markus Koob | Ton: Christian Bernutz | Produktion: Paul Zischler, Susanne Mann | Hochschule: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin