2011druckenspecial: frachtschiff nach china


Spieltag: Freitag, 22. Juli 2011
Filmbeginn: 21.30 Uhr

Spannende Gratwanderungen sind zu erwarten, wenn Filmemacher/innen auf der Reise von Österreich nach China die Grenzen zwischen Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilm überschreiten. Während für den Künstler Christoph Schwarz die vierwöchige Reise an Bord eines Containerschiffs zu einer neuen Erfahrung von Einsamkeit gerät, versucht die Studentin Zih-Cin Ciou ihre Großmutter dazu zu bewegen, das Flugzeug nach Österreich zu besteigen, um ihre Erfahrungen in der Fremde mit ihr teilen zu können. In den Filmen von Hannes Böck, Julia Drack und Klemens Hufnagl spiegelt sich – einmal in futuristisch anmutenden Bildern moderner Wohnsatelliten, einmal in einem wahnwitzigen Aufeinanderprallen von Rhythmen und Farben – das Erstaunen der China-Reisenden über den städtebaulichen Auf- und Umbruch. Ebenfalls in dem Programm zu sehen ist „Little Precious“, der neueste Kurzspielfilm des österreichisch-chinesischen Regisseurs Bo Chen, dem im Vorjahr bei espressofilm eine Personale gewidmet war. | Programmdauer: 75 min

Durch den Abend führt Lukas Maurer. Filmgespräch mit Julia Drack, Klemens Hufnagl und Christoph Schwarz.

     
  supercargo
Christoph Schwarz, A 2010, 13:30 min, OmeU

„,Supercargo‘ erzählt die Geschichte eines Künstlers, der auf ein Artist-In-Residency Programm nach Shanghai, China, eingeladen wird. Um die kulturelle und subjektive Differenzerfahrung zu maximieren, gestaltet Christoph Schwarz den Weg dorthin als ästhetisch-existentialistisches Erlebnis und reist auf dem Seeweg an Bord eines Frachtschiffes. Seine persönliche Situation auf dem Schiff, vor allem seine Einsamkeit, beginnt ihn zu beschäftigen. Mit der Zeit entwickelt er ungewöhnliche Verhaltensmuster, baut persönliche Beziehungen zu den geladenen Containern auf. Er gibt ihnen Namen und behandelt sie als Mitreisende, als wären sie Freunde. So ensteht eine Geschichte, die von der sozialen Isolation und dem sukzessiven mentalen Zusammenbruch des Künstlers erzählt.“ (Bernhard Garnicnig)

     
  oma! bitte nehmen sie ein flugzeug!
Zih-Cin Ciou, A/TW 2010, 15 min, OmdU

„Eine Studentin aus Taiwan lernt in Östereich viele europäische Kulturen kennen. Sie will diese Erfahrungen mit ihrer Großmutter teilen. Aber ihre Oma ist sehr alt und die Studentin hat nicht genügend Geld. Also muss sie ihre Familie fragen. Hat sie deren Zustimmung erhalten? Kann ihre Großmutter nach Österreich fliegen?“ (Crossing Europe)

     
  aufbruch – abbruch
Klemens Hufnagl und Julia Drack
A 2008, 11 min, kein Dialog

Das Ziel scheint klar: Shanghai muss die modernste Stadt der Welt werden – eine Stadt im Aufbruch. Das Neue ist das Maß aller Dinge, das Alte muss einem rasanten Bauboom weichen – eine Stadt im Abbruch. Ein experimenteller Dokumentarfilm, der die schöpferische und zerstörerische Energie der Stadt mit Mitteln der Filmmontage zu übersetzen versucht.

Drehbuch und Kamera: Klemens Hufnagl | Schnitt: Julia Drack | Ton und Produktion: David Bohun | Musik: Marcus Hufnagl, Martin Rotheneder | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  new hefei
Hannes Böck, A 2008, 11 min, kein Dialog

In Hefei, Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Anhui, gedreht, verhandelt „New Hefei“ die Darstellung von radikaler wirtschaftlicher Prosperität und der von ihr geformten Räume: „Die dicht besiedelte Universitäts- und Industriestadt, die bereits im Altertum zu den Verkehrsknotenpunkten Chinas zählte, durchlief in den letzten Jahren einen rasanten Wandel von einer der ärmsten Regionen zur neuen Wirtschaftssonderzone. In dieser Umgebung eines gesellschaftlichen aber auch städtebaulichen Auf- und Umbruchs begleitet Hannes Böck in ruhigen Schwarz/Weiß-Aufnahmen einen Jungen quer durch die Stadt, bis an deren Peripherie und weiter hinaus in die neu entstandenen Wohnsatelliten.“ (Rike Frank)

Schauspiel: Du Vidar | Drehbuch, Kamera, Schnitt und Produktion: Hannes Böck

     
  xiao baobei little precious
Bo Chen, A 2011, 24 min, OmeU

„Kleine Gesten vermögen Welten zu versetzen. Gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Frau lebt Xiao Bao in einer einfachen Hütte in Peking. Es mangelt an Geld, die Beziehung ist angespannt. Als sich eine Schwärmerei als aussichtslos erweist, beschenkt Xiao Bao kurzerhand die Schwägerin. Die Routine der gegenseitigen Anfeindungen lässt sich fortan nicht aufrechterhalten. Vor der Kulisse Pekings erzählt Bo Chen von drei Menschen und deren stillen Umgang mit Einsamkeit und Existenzangst.“ (Diagonale)

Schauspiel: Cai Libao, Huang Lu, Wu Bing, Zheng Xue, Huang Rong, Wang Qiangsheng | Drehbuch und Schnitt: Bo Chen | Kamera: Yi Seungwoo | Ton und Sound Design: Hjalti Bager-Jonathansson | Produktion: Bo Chen, Ulrike Kniesner