2011druckenfestival: internationales frauenfilmfestival dortmund|köln


Spieltag: Donnerstag, 25. August 2011
Filmbeginn: 20.30 Uhr

Mit der Fusion der zwei renommierten und in den 80er Jahren gegründeten Filmfestivals Feminale und femme totale entstand 2006 eines der größten und bedeutendsten Frauenfilmfestivals weltweit: Das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund|Köln findet jährlich wechselnd in den beiden Städten statt und bietet – und das ist einzigartig! – nicht nur Regisseurinnen, sondern Frauen aus allen Bereichen der Filmproduktion Gelegenheit, ihre aktuellen Arbeiten zu präsentieren. Ein besonderes Publikumshighlight ist alljährlich die lange Nacht des kurzen Films. Grund genug, das Festival mit einem vollgepackten Gastprogramm nach Wien zu laden, das in Form eines rasanten Mosaiks verschiedenster Filmformen und -formate deutsche Filmemacherinnen abseits des Mainstreams in den Fokus rückt. Mit dabei sind unter anderem die Videokünstlerin Corinna Schnitt, eine präzise Beobachterin des sozialen Gefüges und seiner Zwänge, Annette Hollywood, die in einem skurrilen Rap die Kunstszene aufs Korn nimmt, und Super-8-Filmemacherin Dagie Brundert, die uns den mit Abstand längsten Titel des heurigen Kurzfilmsommers beschert: „Kleinigkeiten, die im öden Straßenverkehr die Laune aufpeppen“. Der Film selbst freilich ist nur eine Minute lang. | Programmdauer: 79 min

Durch den Abend führen Sonja Hofmann und Nicole Rebmann (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln).

     
  2 or 3 things i knew about her
Eli Cortiñas Hidalgo, D 2006, 12:30 min, OmdU

„Das puzzleartige Porträt mehrerer Frauen und der Versuch, sie zu einer Person zusammenzufügen. Drei Ereignisse, die Eli Cortiñas Hidalgo mit ihrer Mutter verbindet, geben der brüchigen Erzählung einen abstrakten Rahmen. Es handelt sich jedoch nicht um eine rein dokumentarische Aufarbeitung einer Biografie. Die Annäherung an das diffuse Bild der Mutterfigur entsteht durch das Zusammenbringen von dokumentarischen Materialien mit Found Footage. Behauptungen werden aufgestellt und gleichzeitig revidiert. Übrig bleibt meist nur eine Emotion, die den Bildern innewohnt.“ (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln)

Drehbuch, Kamera und Schnitt: Eli Cortiñas Hidalgo | Ton: Nico Hoffmann, Ben Hertel | Musik: Bernd Fleischmann, Notwist, Michael Beckmann | Hochschule: Kunsthochschule für Medien Köln

     
  sorry curator
Annette Hollywood, D 2008, 4 min, OF

„,Sorry Curator, I never meant to hurt you I never meant to make you cry. But tonight, I'm cleaning out my concept.‘ Annette Hollywoods ,Sorry Curator‘ ist eine Parodie auf ein Hip-Hop-Battle und das Kunst-Business. Das Video ist Teil einer gleichnamigen Installation im Rahmen des Projekts ,Kunst im Zeitalter ihrer weltweiten Käuflichkeit‘.“ (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln)

     
  silhouette
Astrid Busch, D 2010, 6 min, kein Dialog

Das idyllische Leben in einem kleinen beschaulichen Dorf wird vom Regen kurz unterbrochen: „Die Szene ist vermeintlich vertraut – und doch rätselhaft. Die Tonspur scheint die erste Vermutung zu bestätigen: Geräusche aus einer friedlichen Landschaft, vielleicht früher Morgen, bevor alles in Bewegung kommt. Ein Spiel mit Bild und Ton, eine visuelle Reduktion, die der eigenen Phantasie Raum lässt, in die Irre führt und das Rätsel auch nicht auflöst – denn wo regnet es schon von unten nach oben?“ (Laudatio für den Medienkunst Filmpreis)

Drehbuch, Kamera, Schnitt und Produktion: Astrid Busch | Sound Design: Oscar Stiebitz

     
  das schlafende mädchen
Corinna Schnitt, D 2002, 8:30 min, OF

Corinna Schnitt bearbeitet in ihren Videos das Alltägliche und das Private. Das Haus, die Familie, die Organisation des Alltags werden in subtilen Mikroszenarien inszeniert und vorgeführt.

„Das schlafende Mädchen“ ist in einer niederländischen Reihenhaussiedlung verortet: „Zentrales ästhetisches Element ist eine lange Kamerafahrt über die Neubauten, jedes Haus gleicht dem anderen. Die großartige Komposition der scheinbar menschenleeren Landschaft endet mit Blick auf das titelgebende Ölbild von Vermeer. Während die Kamera von Justyna Feicht auf dem Bild verharrt, schaltet sich der Anrufbeantworter ein und ein Versicherungsvertreter hält einen Monolog über Lebensversicherungen und verlorene Kugelschreiber.“ (shortfilm.de)

Drehbuch und Produktion: Corinna Schnitt | Kamera: Justyna Feicht | Sound Design: Tilo Busch

     
  kleinigkeiten, die im öden straßenverkehr die laune aufpeppen
Dagie Brundert, D 2006, 1 min, kein Dialog

Nach Corinna Schnitts „Das schlafende Mädchen“ die unprätentiöse Variante eines One-Shot-Films: „Eine Ampel ist zu sehen, sie zeigt Rot an. Irgendwann schaltet sich Gelb dazu, und die auf die Lampe gemalten Umrisse eines Smileys lächeln den Betrachter für eine Sekunde lang an. Das war's.“ (Oliver Baumgarten, Schnitt)

„Dagie Brunderts Filme leben von ihrer Unmittelbarkeit, von den poetischen Bildern, die den Alltag gegen den Strich bürsten, von der Skurrilität des Alltags, die nur der wahrnimmt, der offen für Neues durch die Welt flaniert, und nicht zuletzt von der augenzwinkernden Ernsthaftigkeit, mit der sich die Filmemacherin seit fast 20 Jahren in regelmäßigen Abständen aus ihrem Super-8-Paralleluniversum zu Wort meldet.“ (Luc-Carolin Ziemann, shortfilm.de)

     
  anna blume
Vessela Dantcheva, BUL/D 2009, 9 min, OmeU

„Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir! Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, - wir? Das gehört beiläufig nicht hierher! Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?“ (Kurt Schwitters, 1919)

„Ein Lippenstiftfleck an einer Kaffeetasse verwandelt sich in ein sonderbares kleines rotes Wesen und macht sich auf den Weg. Es erreicht die Stadt, nimmt Kontakt zu Menschen auf, wächst und verwandelt sich und wächst immer weiter und weiter. ,Anna Blume‘ ist ein visuelles Gedicht über die Lust eines Mannes, einer Frau nachzujagen. Eine surreale Reise, inspiriert von Kurt Schwitters' dadaistischem Gedicht.“ (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln)

Drehbuch: Vessela Dantcheva, Ebele Okoye | Animation und Produktion: Ebele Okoye | Schnitt: Ivan Bogdanov | Musik: Petar Doundakov

     
 
architekturbüro scharrenhauser
Claire Walka und Fabian Daub, D 2009, 6 min, OF

Der Architekt Peter Scharrenhauser und seine Assistentin Katharina Zipse versuchen einen Imagefilm über ihr Büro zu drehen ... Dieses Making Of gibt amüsante Einblicke in die heikle Kunst der Selbstdarstellung und die Maximen des Marketing.“ (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln)

Schauspiel: Andreas Eckel, Marion Gretchen Schmitz | Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton und Produktion: Claire Walka, Fabian Daub

     
  linie
Johanna Reich, D 2009, 2:30 min, kein Dialog

,Linie‘ führt eine hochauflösende Digitalkamera mit einfachen Mitteln an ihre Grenzen: Eine schwarz gekleidete Person malt mit dem Rücken zur Kamera eine schwarze Linie auf eine Wand. Durch die Lichtverhältnisse entzieht sich die Grenze vor den Augen des Betrachters zunehmend, bis schließlich die Person gänzlich in dem Werk entschwindet. Mit den analogen Mitteln Pinsel und Farbe gelingt es die Technik zu überlisten – die physische Grenze zwischen Künstler/in und Kunst wird überschritten, Mensch und Malerei werden eins.“ (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln)

     
  swelan
Christina von Greve, D 2005, 5 min, kein Dialog

„Was ,Swelan‘ so unbehaglich macht, lässt sich weniger leicht festmachen. Zur elektronischen Avantgardemusik von C-Schulz sehen wir offenbar gefundene Aufnahmen einer Familie am Küchentisch. Doch der Ausschnitt der leicht unscharfen Bilder ist seltsam gewählt: Nicht Köpfe und Gesichter zeigt die Kamera, sie scheint eher unter den Tisch blicken zu wollen. Dazwischengeschnitten sind Aufnahmen aus der Küche, in der ein Fisch geschrubbt und ausgenommen wird, und von Frauen, die ein riesiges rotes Tuch aufspannen. Erst ganz am Schluss sieht man in das lächelnde Gesicht eines Jungen.“ (Internationale Kurzfilmtage Oberhausen)

Schnitt: Christina von Greve | Musik: C-Schulz

     
  der kleine nazi
Petra Lüschow, D 2010, 13 min, OF

„Als Familie Wölkel wie jedes Jahr bei der Oma Weihnachten feiern will, erwartet sie eine unliebsame Überraschung: Oma Wölkel hat das Naziweihnachten ihrer Kindheit wieder auferstehen lassen. Das wäre vielleicht kein Problem, käme nicht ausgerechnet heute ein Gast aus Israel zu Besuch. Denn eins wollen die Wölkels ganz sicher nicht: für Nazis gehalten werden. Ein ungeheuerlicher Umstand hilft der Familie, die Wahrheit zu leugnen.“ (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln)

Schauspiel: Chistine Schorn, Oliver Stokowski, Steffi Kühnert, Maria Wardzinska, David Wachsmannn, Amon Wendel | Drehbuch: Petra Lüschow | Kamera: Stefan Grandinetti | Ton: Samuel Schmidt | Produktion: Alexandra Kordes, Meike Kordes

     
  o.t.
Anna Berger, D 2005, 11:30 min, OF

„Anhand von originell gestalteten Bildminiaturen, in denen Realbild und Animation verschmelzen, und einer Ich-Erzählung aus dem Off setzt sich Anna Berger in ihrem Diplomfilm mit psychotherapeutischen Selbstversuchen auseinander. Erst nach und nach offenbart ihr kurzer Dokumentarfilm, dass sie auf diese Weise den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten sucht. So entstand ein humorvoller, selbstironischer Kurzfilm, der das filmisch schon oft bearbeitete Thema der Trauerbewältigung auf eigenwillige Weise variiert.“ (Hochschule für Gestaltung Offenbach)

„Es sind Bilder von absurden Momenten, in denen sich der Riss zeigt, der durch die Welt geht, wenn alles im Leben irgendwie nicht mehr stimmt. Man muss lachen, aber dieses Lachen ist immer zugleich eine Art, einen Schmerz anzuerkennen, der nicht weggeht. Anna Berger findet so mit einfachen Mitteln starke Bilder und Formulierungen für eine Form der Trauer, die im Humor liegt.“ (Jurybegründung für den 3sat-Förderpreis bei den 52. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen)

Mitwirkende: Daniel Kohl, Tai Elshorst, Bertram Ritter, Isabelle Fein, Tanja Kämper | Kamera: Nina Werth, Mark Liedtke, Anna Berger | Schnitt: Anna Berger | Hochschule: Hochschule für Gestaltung Offenbach