2011druckenfilmemacherin: kim longinotto


Spieltag: Donnerstag, 4. August 2011
Filmbeginn: 20.30 Uhr

„Kim Longinottos geniale Kunst liegt in der vornehmen Begabung, Themen glaubwürdig aufzubauen, sowie in einer tiefen Sensibilität gegenüber kulturellen Zusammenhängen. Dieses Zusammenspiel führt zu einer Intimität, die Feinheiten und Verflechtungen von atemberaubender Wirkung ermöglicht“, schreibt Caroline Libresco, Kuratorin des Sundance Film Festivals, über die Absolvention der National Film and Television School, die seit den 80er Jahren zu den erfolgreichsten britischen Dokumentarfilmerinnen zählt. In der Tradition des Direct Cinema greift Kim Longinotto kontroverse gesellschaftliche Themen auf, lässt Frauen im Widerstand selbst für sich sprechen und enthüllt die den sozialen Beziehungen inhärenten sexistischen Unterdrückungsmechanismen. Ihre Arbeit hat sie dabei um die ganze Welt geführt, so auch nach Japan, wo in den 90er Jahren in Zusammenarbeit mit Claire Hunt und Jano Williams ein fünfteiliger Filmzyklus zum Thema Gender, Crossdressing und „Rollenspiel“ entstand, der das Wesen der sexuellen Identität und der widersprüchlichen Ansprüche untersucht, denen junge Frauen im modernen Japan ausgesetzt sind. Zwei dieser Filme sind nun bei espressofilm zu sehen: Einmal versuchen die Filmemacherinnen in der berühmt-berüchtigten Schule der Takarazuka Revue, in der alle Charaktere von Frauen gespielt werden, deren Vorstellungen vom „idealen Ehemann“ zu ergründen, einmal die der „idealen Ehefrau“ – und beide Male servieren sie das Ergebnis mit viel Musik und leisem Humor. | Programmdauer: 102 min

     
  the good wife of tokyo
Kim Longinotto und Claire Hunt
GB 1992, 52:30 min, OmeU

„Forget those demure ladies with fragrant fans and meet the new breed of Japanese women!“ (Amanda Casson, London Film Festival)

Als Kazuko Hohki nach 15 Jahren in England mit ihrer Elektronik-Grotesk-Pop-Band „Frank Chickens“ nach Tokio zurückkehrt, beschließt sie, ihrer Mutter zuliebe zu heiraten. Ihre Mutter, eine Priesterin der Religion „The House of Developement“, einer Mischung aus Shintoismus, Buddhismus und Christentum, arrangiert die Hochzeitszeremonie. Mit dem schrägen Zen-Ritual „Perfect Reality Plate Spinning“ für eine glückliche Ehe beginnt nun für Kazuko eine abenteuerliche – und für das Publikum höchst unterhaltsame – Auseinandersetzung mit den traditionellen Anforderungen an die japanische Ehefrau und den Vorstellungen der Japanerinnen ihrer Generation.

Mitwirkende: Kazuko Hohki, Yukiko Hohki, Chika Nakagawa, Grant Showbiz

     
  dream girls
Kim Longinotto und Jano Williams
GB 1993, 49 min, OmeU

Die japanische Takarazuka Revue ist eine enorm erfolgreiche Bühnenschau, in der ausschließlich Frauen die Phantasien über erotische Liebe und sensible Männer bedienen. Sie ist auch die Welt der Darstellerinnen, die im Gegenzug für ihr streng diszipliniertes Leben von tausenden jungen Japanerinnen angebetet werden – von hysterischen Teenagern bis zu schwärmerischen Hausfrauen. Doch es ist ein offenes Geheimnis unter den weiblichen Fans, dass die „realen Männer“ nicht annähernd den hier selbstgestalteten Wunschbildern entsprechen.

Mitwirkende: Miki Maya, Anju Mira | Kamera und Produktion: Kim Longinotto | Schnitt: John Mister | Musik: Carl Dante