2011druckenspecial: von vätern und söhnen


Spieltag: Freitag, 8. Juli 2011
Filmbeginn: 21.30 Uhr

Ein Vater, der keiner ist: Murli, Anfang 30, interessiert sich vor allem für seine Rap-Musik. Die Familie rangiert an zweiter Stelle. Doch, über Nacht von der Freundin verlassen, kann er seine beiden Söhne nicht länger ignorieren ... Bis in die letzte Faser eindringlich gespielt, gibt Aqil – Frontmann der Ottakringer Hip-Hop-Formation Sua Kaan – sein Leinwanddebüt in Umut Dags „Papa“. Zusammen mit weiteren Kurzspielfilmen von Studenten der Filmakademie Wien, die das komplexe Beziehungsgeflecht, den Nährboden subtiler Gewalt zwischen Vätern und ihren Söhnen zu durchdringen versuchen, ergeben sich an diesem Abend neue Perspektiven für das Kino aus einem – vielleicht sogar emanzipierten – männlichen Blickwinkel. | Programmdauer: 76 min

Durch den Abend führt Lukas Maurer. Filmgespräch mit Umut Dag und Philipp Grandits.

     
  papa
Umut Dag, A 2010, 41 min, OF

„Ein Vater, der keiner ist. Anfang 30, interessiert den Protagonisten vor allem eines: seine Rap-Musik. Die Familie rangiert immer an zweiter Stelle. Über Nacht von der Frau verlassen, kann er seine Söhne aber nicht länger ignorieren. Obwohl der emotionale Abstand unüberbrückbar erscheint, gewinnt er in der Vaterrolle zunehmend an Souveränität – bis Mutter Conny plötzlich wieder vor der Türe steht. ,Papa‘ bleibt berührend nahe an den Personen – und die Kamera tut dazu ihr übriges, reagiert anstatt zu dirigieren.“ (Diagonale)

Umut Dag konnte mit seinem ersten mittellangen Spielfilm auf Anhieb Publikum wie Kritiker/innen überzeugen – nicht zuletzt aufgrund der herausragenden schauspielerischen Leistung von Rapper Aqil, der bis in die letzte Faser eindringlich einen Menschen verkörpert, der in einen Alltag gezwungen wird, in dem die von ihm selbst gewählten Klischees nicht mehr lebbar sind. „Papa“ feierte seine Weltpremiere beim Max Ophüls Preis 2011 und wurde auf der heurigen Diagonale mit dem Kurzspielfilm-Preis ausgezeichnet.

Schauspiel: Murathan Muslu, Magdalena Kronschläger | Drehbuch: Stefanie Franz | Kamera: Georg Geutebrück | Schnitt: Claudia Linzer | Ton und Sound Design: Sergey Martynyuk | Musik: Dimitri Giannikopoulos | Produktion: Umut Dag, Philipp Grandits | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  das verhangene bild
Henri Steinmetz, A 2005, 6:30 min, OF

„Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld: sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.“
(Friedrich Schiller, „Das verhangene Bild zu Saïs“) 

Inspiriert von der gleichnamigen Ballade verdichtet Henri Steinmetz im Rahmen eines von ZDF und 3sat ausgeschriebenen Wettbewerbs anlässlich des Schiller-Jahres 2005 die Suche nach Erkenntnis mit fatalem Ausgang in dieser Kurzfilm-Miniatur rund um eine fragile Ménage à trois zwischen einem Jungen, seinem Vater und seiner Lehrerin.

Schauspiel: Marvin Filipp, Richy Müller, Kathrin Resetarits | Drehbuch: Henri Steinmetz | Kamera: Robert Oberrainer | Schnitt: Ursula Lösch | Ton und Sound Design: Nils Kirchhoff | Produktion: Hannes Kreuzer | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  der hund
Alex Trejo, A 2008, 16:30 min, OF

Ein Junge sucht die Nähe zu einem verwaisten Hund, für den seine Mutter vorübergehend sorgen soll. Zurückgewiesen vom Vater, benützt er das Tier für – noch unbemerkte – Vergeltungsschläge und beginnt sich selbst immer mehr wie der Hund zu verhalten. Formal konsequent aus der Perspektive des Jungen, zeichnet Alex Trejo eine Welt, die sich wie ein undurchdringbares Netz aus Schuld, Angst, Entfremdung und Gleichgültigkeit darstellt.

Schauspiel: Erik Ritschl, Alexander Morandini, Kathrin Thurm | Drehbuch und Schnitt: Alex Trejo | Kamera: Benjamin Klein | Ton: Richard Ruzek | Produktion: Alex Trejo, Maria Heinz | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  catafalque
Christoph Rainer, A 2010, 11:30 min, OF

„Zwei Brüder, eingeschlossen in der Schwärze des Kellers. Der Vater bleibt eine anonyme Bedrohung aus dem Off. Verängstigt versuchen die beiden Buben den Tathergang zu rekonstruieren; dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Realität, Licht und Schatten, Leben und Tod.“ (Alpinale)

„Über Grund und Ausmaß des Grauens kann nur spekuliert werden – ,Catafalque‘ entzieht sich der inhaltlichen und visuellen Eindeutigkeit. In der Dunkelheit des Kellers, dem Versteck und gleichzeitigen Gefängnis der Kinder, tappt der/die Zuschauer/in sprichwörtlich im Dunkeln. Die Tonebene bleibt der einzig verlässliche Zeuge – überdeutlich und doch unklar.“ (Diagonale)

Schauspiel: Vito Baumüller, Sam Baumüller, Milie Baumüller, Thomas Mraz | Drehbuch: Christoph Rainer | Kamera: Felix Striegel | Schnitt: Fabian Rüdisser | Ton: Hannes Plattmeier | Produktion: Diego Breit | Hochschule: Filmakademie Wien